Online-Logodesigner erzeugen keine Marken – sondern Vorlagen
Die meisten KI- oder Online-Logodesigner funktionieren nach demselben Prinzip: Man gibt einen Firmennamen, eine Branche und vielleicht zwei bis drei Stilrichtungen ein und erhält automatisiert Vorschläge. Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick oft ansprechend aus. Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man schnell:
- dieselben Symbole tauchen immer wieder auf,
- Trends werden blind kopiert,
- Typografie wirkt austauschbar,
- und die Logos erzählen nichts über die tatsächliche Persönlichkeit der Marke.
Warum? Das erkläre ich in diesem Beitrag.
Bildmodelle arbeiten probabilistisch
Modelle wie Diffusion Models erzeugen Pixel für Pixel Wahrscheinlichkeiten. Anstatt feste, zwingende Ergebnisse zu liefern (deterministisch), arbeiten probabilistische Systeme mit mathematischen Wahrscheinlichkeiten, Vorhersagen und daher auch mit Unsicherheiten. Diese Modelle haben Millionen Logos oder logo-ähnliche Bilder gesehen. Icons, Behance-Shots, Dribbble-Grafiken, Stocklogos und SVG-Sammlungen sind erfasst und abgespeichert. Auf dieser Basis entsteht ein Durchschnittsstil, der mehr an ein Clipart, als an ein Logo erinnert: geometrisch, glossy, überdekoriert, emblem-artig und schlussendlich ausstauschbar.
KI kennt keinen semantischen Kern
Ein Logo baut auf einem bestehenden Konzept auf, in dem Markenwerte definiert werden, Personas zu Wort kommen, kulturelle und technische Aspekte Beachtung finden und der Mitbewerb berücksichtigt wird.
Ein Online-Generator kennt keine Vision. Keine Werte. Keine Ambitionen. Keine Zielgruppe im emotionalen Sinn. Er analysiert Daten und reproduziert, was statistisch funktioniert. Das Ergebnis erinnert oft an ein klassisches Zunftzeichen: die Schuhmarke erhält ein Schuhsymbol und das Branding für einen Internisten wird mit einem Herz oder Stethoskop abgefüttert.
KI hat kein echtes Verständnis für Reduktion
Und das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Reduktion ist keine Vereinfachung. Reduktion ist das bewusste Entfernen irrelevanter Information. Das erfordert Priorisierung. Aber generative KI-Modelle wissen nicht, was weggelassen werden kann und was langfristig memorierbar bleibt. Darum entstehen oftmals zu viele Linien, versteckte Symbole und pseudo-clevere Kombinationen. Das generierte Logo wirkt wie eine Illustration, die durchaus nett anzusehen ist, aber nicht die Funktion eines Logos erfüllt.
Ich halte es bei vielen Brandings mit einem französischen Schriftsteller und Piloten:
„Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann.“
Antoine de Saint-Exupéry
Ein Logo ist nur ein Teil des Markendesigns
Viele Unternehmen denken beim Branding zuerst an das Logo. Dabei ist das Logo eigentlich nur die Spitze des Eisbergs.
Eine starkes Markendesign basiert auf einer Markenstrategie und besteht aus:
- Farbwelt
- Typografie
- Bildsprache
- Tonalität
- Logo
- Icons
- Gestaltungssysteme
- Styleguide
- Printprodukten
- Screendesign
- …
Ein gutes Logo funktioniert nur dann wirklich, wenn es Teil eines durchdachten Gesamtsystems ist. KI denkt jedoch nicht in Markenidentitäten. Sie denkt in Einzelbildern. Ein Branddesigner entwickelt dagegen ein visuelles Universum, das konsistent wirkt und Emotionen transportiert – über alle Touchpoints hinweg.
Also alles für die KI-Katz?
Nicht unbedingt. Generative KI-Modelle können durchaus ein Wegbegleiter durch den Brandingprozess sein. KI-gestützte Mockup-Tools haben definitiv ihre Berechtigung. Sie eignen sich hervorragend für Inspirationsphasen, Moodboards oder schnelle visuelle Präsentationen.
Aber Achtung: ein automatisiert generiertes Mockup berücksichtigt keine Druckveredelung, keine Papierstärke, keine Falzkanten und keine Markenstrategie. Es zeigt nur eine Illusion des fertigen Produkts.
Fun fact: auch für diesen Beitrag habe ich mir KI-Unterstützung geholt. Sie half mir, die technischen Hintergründe zusammenzutragen und den Inhalt zu strukturieren.
KI wird mich als Designer nicht ersetzen.
Der wichtigste Unterschied zwischen KI und einem echten Branddesigner ist nicht die Technik. Es ist der menschliche Kontakt. In Gesprächen mit KundInnen entstehen oft die entscheidenden Informationen zwischen den Zeilen. Designer hören zu, stellen Fragen, beobachten Zwischentöne und übersetzen Emotionen in visuelle Identität.
Ein gutes Branding entsteht deshalb nicht durch perfekte Prompts, sondern durch echtes Verständnis.
Und genau deshalb wird gutes Branddesign auch in Zukunft menschlich bleiben.
